Analthrombose – Ursache, Symptome & Therapie der Analvenenthrombose

Wer urplötzlich eine Verhärtung ertastet, wo bisher glattes Gewebe zu fühlen war, erschrickt sich meist sehr. Noch schneller wächst die Verunsicherung, wenn es sich um eine Hautveränderung im sensiblen Analbereich handelt. Das Problem: Das intime Areal ist nicht nur mit viel Scham behaftet, sondern für den Betroffenen selbst nicht einsehbar. Wer dann noch die Symptome googelt und Worte wie „Thrombose“ findet, ist in der Regel alarmiert. Warum die Analthrombose meist harmloser ist, als der Name es vermuten lässt und wie mit der Erkrankung umzugehen ist, lesen Sie hier.


Inhaltsverzeichnis:

  1. Definition
  2. Ursachen
  3. Sofortmaßnahmen
  4. Diagnose und Behandlung
  5. Quellen

Was genau ist eine Analthrombose?

Bei der Beschwerde handelt es sich um eine Art Bluterguss, welcher plötzlich am Rande des Anus auftaucht und mit einem Blutstau einhergeht. Der Knoten kann ganz unterschiedlich geformt sein und in kurzer Zeit stark anschwellen. Gespeist wird die Verhärtung durch eine Vene, welche um den Anus herum läuft. Die Erkrankung wird auch Perianalthrombose oder Perianalvenenthrombose gennant.

Wie sieht die Analthrombose aus?

Die Verstopfung ist leicht zu ertasten und klar abgegrenzt vom umliegenden Gewebe. Der harte Knoten wächst prall an und ist mit violettem Blut ausgefüllt. Der Thrombus kann groß wie eine Pflaume werden und, je nach Lage, von außen in den Analkanal hineinragen [1].

Was sind die Merkmale einer Analthrombose?

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Zu den Symptomen gehören heftige Schmerzen, die vom Knoten ausgehend zu den Seiten hin ausstrahlen. Die Beschwerden treten insbesondere in den ersten drei Tagen nach der Entstehung auf. Der Thrombus kann ferner als pulsierend und warm wahrgenommen werden. Betastet man die Analthrombose, wirkt das Gewebe enorm gespannt, elastisch und verdickt. Zu den weiteren Anzeichen zählt auftretender Juckreiz. Auch kann der Bereich ungewohnt stark brennen.

Wie entsteht die Erkrankung?

Ursächlich ist in der Regel ein temporärer Blutstau, der sich im unteren Bereich des Beckenbodens abspielt. Platzt daraufhin die feine Vene am Rektum, sammelt sich das ausgetretene Blut im angrenzenden Gewebe. Dort bildet es ein kleines Blutgerinnsel unter der Haut. Von außen ist diese Einblutung als Thrombose zu erkennen [2].




Ist die Analthrombose gefährlich?

Anders als etwa eine Venenthrombose im Bein gilt die Analthrombose als harmlose Erkrankung. Sie ist zwar schmerzhaft, heilt in vielen Fällen aber von alleine wieder ab [3].

Wie lange dauert es, bis eine Analthrombose abheilt?

Der Thrombus tritt meist spontan auf. Der anschließende Heilungsverlauf ist in etwa mit dem Rückgang eines Blutergusses zu vergleichen und individuell unterschiedlich. Rund drei Tage lang bleibt das Gewebe geschwollen, druckempfindlich und charakteristisch eingefärbt. Erst dann setzt nach und nach der Abbau der ausgetretenen Blutbestandteile ein. Wie bei einem Hämatom auch, kann dieser Prozess einige Tage lang anhalten. Die Analthrombose sollte täglich ein bisschen kleiner werden und nach rund zwei bis drei Wochen rückstandslos verschwunden sein.

Was löst eine Analthrombose überhaupt aus?

Der häufigste Grund für das Entstehen der Perianalthrombose ist ein massiver Überdruck. Dieser wirkt negativ auf den Beckenboden ein und löst das Gerinnsel am Anus schließlich aus. Folgende Faktoren gehören zu den typischen Verursachern:

  • Intensives Pressen beim Stuhlgang, etwa bei Verstopfungen oder bei Durchfällen.
  • Eine vaginale Geburt.
  • Hohes Körpergewicht und dadurch eine gesteigerte Druckbelastung auf den Beckenbereich.
  • Ruckartige Rumpfbewegungen, etwa beim Gewichtheben.

Als weitere Ursache sehen Mediziner einen Zusammenhang zwischen dem Entstehen einer Analthrombose und langem Sitzen. So sind beispielsweise Fahrradfahrer, Fernfahrer oder Menschen mit einem Beruf, der überwiegend am Schreibtisch ausgeführt wird, signifikant häufiger betroffen. Unter Fachleuten wird ferner diskutiert, ob Hämorrhoiden, scharfes Essen, Hormonschwankungen oder das Sitzen auf einem kalten Untergrund die Entstehung einer Analthrombose eventuell begünstigen könnten.

Wie unterscheidet man eine Analthrombose von Hämorrhoiden?

Insbesondere Frauen, die unter Hämorrhoiden in der Schwangerschaft leiden, sind irgendwann verunsichert: Handelt es sich nun um ein weiteres Knötchen, welches nach der Geburt wieder abklingt – oder hat sich doch zusätzlich noch eine Thrombose gebildet? Schließlich fühlen sich beide Veränderungen beim bloßen Abtasten mit dem Finger relativ gleich an [4].

So lassen sich die beiden Krankheiten unterscheiden

innere und äußere Hämorrhoiden

Beide Veränderungen sitzen unmittelbar am After. Die Analthrombose ist dabei mit der „normalen“, helleren Haut des Rektums überzogen. Die Hämorrhoide jedoch ist von Schleimhaut umhüllt, schließlich stammt sie ursprünglich aus dem Afterkanal und ist von dort nach außen gewandert. Wer nun sein Smartphone zückt und auf den Auslöser drückt, kann einen weiteren Unterschied erkennen. Auf Hämorrhoiden Bilder sind kleine, intensiv rot eingefärbte Knötchen zu sehen. Sie schieben sich aus dem After heraus und bluten schnell (hellrotes Blut). Hämorrhoiden tun, wenn überhaupt, nur mäßig weh.

Bei einer Analthrombose hingegen kann der Knoten die gleiche Farbe aufweisen wie die umliegende äußere Analhaut. Er kann aber auch – und das ist meistens der Fall – violette Sprenkel zeigen oder gänzlich lila eingefärbt sein. Weil der Thrombus immer von einer Vene gespeist wird, ist er mit blaurotem Blut gefüllt. Der Knoten blutet nicht, sondern sitzt prall am äußeren Rand des Afters. Der Knoten schmerzt sehr stark.




Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal liegt in der Größe. Während Hämorrhoiden im Anfangsstadium eher die Größe eines Apfelkerns haben, kann die Analthrombose schnell groß wie ein Kirschkern oder sehr viel größer sein.

Sofortmaßnahmen beim Auftreten einer Analthrombose

Wer auf den Termin beim Arzt wartet, möchte meist zuhause schon etwas zur Linderung der Beschwerden unternehmen. Um die Schmerzen einzudämmen, könnte zunächst eine leicht betäubende Salbe auf die Analthrombose aufgetragen werden. Solche Mittel sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich und können meist zwei bis drei Tage lang angewendet werden. Viele Menschen berichten auch davon, dass ihnen das Auftragen einer Hämorrhoiden Salbe gut geholfen hat. Diese Mittel verfügen ebenfalls über ein leichtes Lokalanästhetikum und könnten somit das Areal etwas beruhigen.

Helfen könnten ebenso kühlende Kompressen*, kühle Wassergüsse oder ein entspannendes Sitzbad*. Sinnvoll sind dafür etwa beruhigende Substanzen wie Kamille oder Hamamelis. Um den Spannungsschmerz zu mindern, sind rückfettende Cremes zweckmäßig.

Wann sollte man mit der Analthrombose zum Arzt gehen?

Wenn der Knoten heftig schmerzt, kann die Diagnose eines Mediziners beruhigend sein. Dabei reicht in der Regel der Besuch beim Hausarzt bereits aus, um einen Befund zu erhalten. Ein Proktologe oder Gastroenterologe können ebenfalls helfen. Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten die Analthrombose in jedem Fall von einem Arzt untersuchen lassen. Das Problem: In ganz seltenen Fällen kann sich die Thrombose selbst öffnen und anfangen zu bluten. Um dem vorzubeugen, sollten betroffene Patienten rechtzeitig zum Proktologen gehen.

Untersuchung: Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Normalerweise reicht es bereits aus, wenn der Arzt den After begutachtet. Weil die Analthrombose außerhalb des Körpers liegt, ist sie leicht zu erkennen. Ist die Diagnose nicht so eindeutig zu stellen, kann der Mediziner das Rektum zusätzlich mit einem Proktoskop untersuchen. So lässt sich leicht bestimmen, ob es sich um eine Analvenenthrombose oder um Hämorrhoiden handelt.

Wie wird eine Analthrombose anschließend therapiert?

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Hier gibt es mehrere Behandlungsansätze: Sind die Schmerzen noch auszuhalten, wird der Arzt ein schmerzstillendes Medikament verschreiben. Bewährt haben sich nicht-steroidale Analgetika in Form von Tabletten, Zäpfchen, Salben oder Tinkturen. Dann kann sich die Thrombose im Laufe der folgenden Tage selbst zurückbilden [5]. Ob weitere Pharmazeutika sinnvoll sind, welche die Durchblutung fördern und die Rückbildung der Schwellung forcieren, muss der Arzt individuell entscheiden [6].

Leidet der Patient unter einem großen Druckgefühl und intensiven Schmerzen, könnte der Thrombus geöffnet werden. Dazu wird die Oberfläche zunächst örtlich betäubt. Nun wird die Analthrombose mit einem Skalpell aufgestochen, so dass das betroffene Gewebe ausgeräumt werden kann. Nachteil: Mit dieser Methode entstehen im Nachgang der Erkrankung häufiger Marisken. Alternativ kann die gesamte Analthrombose herausgeschnitten werden. Wenn nötig, wird die Wunde mit ein oder zwei Stichen vernäht [7].

Kann man die Entstehung verhindern?

Das Problem tritt meistens auf, wenn große Kräfte auf das Rektum einwirken. Folgende Tipps helfen dabei, eine Analthrombose gar nicht erst entstehen zu lassen:

  • Kurzer Toilettengang: Ewiges Verweilen auf der WC-Schüssel führt dazu, dass sich viel Blut im unteren Beckenbodenbereich anstaut. Die gemütliche Lektüre auf dem Stillen Örtchen könnte eine Analthrombose also durchaus fördern. Besser: erst dann hinsetzen, wenn die Entleerung kurz bevorsteht.
  • Nicht Drücken: Die empfindlichen Gefäße der Analregion sind nicht dafür gemacht, große Druckverhältnisse auszuhalten. Intensives und lange anhaltendes Pressen belastet die Venen stark. Deshalb gilt: Entspannt bleiben, die Füße auf einen Hocker stellen und dem Stuhlgang genügend Zeit geben, möglichst selbstständig aus dem Körper austreten zu können.
  • Seitliches Husten und Niesen: Um spontane Druckkräfte auf den Unterleib zu vermeiden, sollte beim Husten oder Niesen der Oberkörper zur Seite gedreht werden. Dann verteilen sich die Kräfte besser und der Unterleib wird nicht so belastet.
  • Kein langes Sitzen: Analvenenthrombosen treffen häufig Menschen, die einer überwiegend sitzenden Tätigkeit nachgehen. Deshalb: Regelmäßig aufstehen, den Körper lockern und darauf achten, dass der Unterleib gut durchblutet ist.





Quellen:
[1] BSMO – Gespräch mit Dr. Alexander Herold vom Enddarmzentrum Mannheim (19.03.2004)
https://www.enddarm-zentrum.de/_resources/dokumente/presse/analthromben_oder_haemor.pdf

[2] Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie, Nr. 081/002, AWMF-Leitlinien-Register
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/081-002.pdf

[3] René G. Holzheimer, Ursula Gresser, Anale Quälgeister bekämpfen, Der Allgemeinarzt 20/2004
https://www.praxisklinik-sauerlach.de/medien/pdf-daten/AnaleQulgeisterbekmpfen.pdf

[4] Möglichkeiten und Grenzen der Selbstmedikation bei Hämorrhoiden, Dr. Sabine Werner, Deutsche Apotheker Zeitung, 2013, Nr. 28, S. 46, 11.07.2013 – https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2013/daz-28-2013/moeglichkeiten-und-grenzen-der-selbstmedikation-bei-haemorrhoiden

[5] Der niedergelassene Arzt, 08/2017, Seite 88 – https://www.der-niedergelassene-arzt.de/fileadmin/user_upload/zeitschriften/nila/epaper/2017/08_17/index.html#88/z

[6] Leitlinien zur proktologischen Pharmakotherapie, der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen e.V. – https://www.derma.de/de/daten/leitlinien/leitlinien/die-proktologische-pharmakotherapie/

[7] Enddarmzentrum Eppendorf – http://www.edze.de/thrombose.html

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